Intention

Intention

Warum es gut für deinen Energiehaushalt sein kann, kurz innezuhalten, bevor du zur Tat schreitest

Weißt du, wenn du handelst, warum du das machst?

Kennst du den Begriff Autopilot? Das ist ein Trendbegriff in der Achtsamkeit. Er beschreibt in einem Wort, wie wir uns in unserem Alltag oft fühlen: wie wir dem Terminkalender hinterherlaufen, Dinge tun, ohne präsent zu sein und irgendwie fremdgesteuert durch den Alltag laufen, teilweise ohne am Ende des Tages zu wissen, wie wir von A nach B gekommen sind. Die meisten Achtsamkeitsübungen sprechen davon, dass es wichtig ist, zwischen einem äußeren Reiz und der darauf folgenden Handlung einen Raum zu schaffen. Das ist deshalb sinnvoll, um sich von den eigenen emotionalen Impulsen nicht fernsteuern zu lassen und einfach loszupoltern, wenn mich etwas ärgert, sondern in einen Raum der Entscheidungsmöglichkeit zu kommen. Die gute Nachricht ist übrigens, dass du dann immer noch lospoltern darfst, solange es deine Entscheidung ist und nicht einfach ein Muster, zu dem du keine Alternative hast und, das dich letzlich Kraft und Freundschaften kosten kann. Zum Thema achtsames Fluchen schreibe ich ein anderes Mal noch etwas. Soviel zu den äußeren Reizen.

 

 

Aber was ist eigentlich mit den inneren Reizen?

 

 

Es gibt den Autopiloten doch auch in mir, wenn ich denke, ich müsste so und so agieren, weil das von mir erwartet wird (oder ich es von mir erwarte). Und sich dessen bewusst zu werden, hat sehr viel damit zu tun, welches Selbstbild du von dir hast. Na? Kribbelt es gerade in deinem Bauch? Selbstbild? Och, bitte nicht!?

 

Es kann viel Energie bringen zu wissen, warum du etwas tust.

Warum schreibe ich hier eigentlich darüber? Meine Intention ist, deine Aufmerksamkeit dahin zu lenken, dass es sehr Kraft raubend sein kann, wenn du handelst, ohne zu wissen, warum. Nehmen wir mal eine überschaubare, mögliche Situation aus dem beruflichen Alltag. (Achtung: Es folgt ein Fallbeispiel in der dritten Person. Du kannst dich also zurücklehnen und dann entscheiden, ob du das so oder so ähnlich kennst.) Herr Immerich muss im Job eine Präsentation halten, über ein Thema, in dem er nicht so wirklich gut zuhause ist. Er bereitet sich akribisch darauf vor, schläft schlecht, ist unaufmerksam seiner Familie gegenüber und in der Zeit der Vorbereitung fühlt er sich ständig unwohl. Die Präsentation läuft gut. Herr Immerich kann sich nur so mittelmäßig freuen. Denn er ist ziemlich k.o., als die Anspannung von ihm abfällt. Jetzt denkst du vielleicht, dass er der Präsentation ja gar nicht hätte zustimmen müssen. Das stimmt natürlich. Das wäre ein Beispiel, wie man mit äußeren Reizen umgehen kann. Lernen “nein” zu sagen undsoweiter. Herr Immerich ist in diesem Beispiel jedoch seinem inneren Reiz erlegen, dass er immer alles alleine schaffen muss. Er handelt also aus einer Einstellung heraus, zu der er keine Alternative hat. Diese Einstellungen nennt man in der Stressforschung Stressoren. Und diese Stressoren treiben uns in den Autopiloten. Dann handeln wir irgendwie und merken erst ziemlich spät, dass uns das sehr viel Kraft kostet. Ein anderer gern genommener Stressor ist übrigens: “sei beliebt!” Dazu später mehr.

 

Wir könnten den Film von Herrn Immerich mal zurückspulen und einer anderen Perspektive folgen. Herr Immerich weiß, dass er sich in diesem Thema nicht besonders sicher fühlt. Gleichzeitig gibt es einen Motor in ihm, das aber machen zu wollen. Er überlegt sich, wie er das angehen könnte. Er nimmt sich etwas Zeit. Dann kommt ihm die Idee, einen alten Schulfreund, der sich in diesem Thema gut auskennt, um Unterstützung zu bitten. Der Freund freut sich über diese Anfrage und hilft ihm gerne. Sie reden über alte Zeiten und ihre Freundschaft lebt wieder etwas auf. Herr Immerich schläft in dieser Zeit gut, lacht beim Abendbrot mit seiner Familie, hält eine gute Präsentation und kann sich darüber freuen. Plakative Beispiele können manchmal helfen, etwas zu erklären. Wir könnten aber hunderte Beispiele dafür finden: die Führungskraft, die dem Team einen Changeprozess aufbrummt, von dem sie gar nicht überzeugt ist, weil sie lieber die Stärken des Teams stärken würde, anstatt irgendetwas von “oben” hineinzukippen. Das innere Bild könnte hier ein emotionaler Konflikt sein, der aus dem Satz: “Sei beliebt!” resultiert. Bei wem will die Führungskraft denn beliebt sein? Beim Team? Bei der nächsthöheren Instanz? Schön wäre es, bei sich selbst beliebt zu sein und in der eigenen Kraft zu bleiben. Da wird es dann etwas komplexer. Ein erster Schritt, um ein gutes Energieniveau zu haben, ist es innezuhalten und in sich hineinzuhören und – sogar – in sich hineinzuspüren. Der Körper gibt uns nämlich Signale und Entscheidungshilfen. In der Neurobiologie nennt man das “somatische Marker”. Da meldet sich dann ein Ziehen im Bauch oder ein Zähneknirschen. In meinem Falle ist es übrigens der linke Ellenbogen. Wenn der sich meldet, dann ist das wie eine kleine Alarmanlage. Ich habe mir als Kind den linken Ellenbogen mal gebrochen. Das war in einer Situation, in der ich meinem älteren Bruder in eine Situation gefolgt bin, in der er sehr sicher war. Es gab früher in Travemünde am Strand einen großen Anker, von dem mein Bruder heruntergerutscht ist, wie von einer Rutsche. Es machte sichtlich Spaß und das wollte ich auch machen. Ich verlor jedoch das Gleichgewicht und bin so unglücklich auf meinen linken Arm gefallen, das ich in ein Krankenhaus musste. Seitdem ist das meine Alarmanlage für Überforderung. Ich vermute, du hast auch so eine Alarmanlage in dir. Vielleicht nutzt du sie sehr bewusst. Vielleicht ist es aber auch so, dass du sie nicht immer hörst oder über sie hinweg gehst, weil du im Stress bist. Da kann es dann hilfreich sein, innezuhalten.

 

Willst du es mal ausprobieren?

Nimm dir eine Situation aus deinem Alltag unter die Lupe, indem du kurz anhälst. Nimm einen Atemzug oder zwei und stelle dir innerlich die Frage: warum mache ich das gerade? Und es ist schon klar, dass du dich selbst ganz wunderbar dabei austricksen kannst. Wenn du dich beim Zähneputzen fragst, warum du das machst und dann die innere Antwort kommt: “Ich will keinen Karies und nicht zur Zahnärztin!” ist das natürlich eine richtige und naheliegende Antwort.


Aber wie wäre es, wenn du in einer Situation, die ein wenig Chaos in dir auslöst, mal innehälst, um dann erst nach dieser kleinen Pause zu handeln? Mit Chaos meine ich diese Momente, in denen du vielleicht schon ahnst, dass es unangenehm werden könnte, aber einfach weitermachst. Ganz eventuell ginge es aber auch leichter, wenn du dir die Zeit nimmst, Handlungsalternativen zu überlegen. Wer weiß?

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