Kinder sind die besten Achtsamkeitstrainer

Kinder sind die besten
Achtsamkeitstrainer

Familienalltag

Für alle Mütter, Väter, Tanten, Onkel, Omas, Opas...

Ich vermute in nahezu jeder Familie gibt es ein Thema, das gerne mal Stress auslöst: der unterschiedliche Rhythmus oder auch das unterschiedliche Zeitgefühl aller Beteiligten. Mal eben von A nach B oder einen Termin einhalten, während das Kind trödelt, nicht aus dem Bett will oder jeden Stein auf dem Weg zählt? Bist du dann immer tiefenentspannt und flötest in liebevollem Ton dein Kind an, es möge sich doch gaaaanz viel Zeit lassen? Oder brodelt es schon mal in dir und du bist kurz davor, dass dir der Kragen platzt?

 

In der Stressforschung gibt es den Begriff „Sollwert“. Du stellst dir eine Situation vor und die soll ganz so ablaufen, wie du sie dir vorgestellt hast. Aus der Elternperspektive könnte das sein: es läuft alles wie am Schnürchen, auch wenn du Zeitdruck hast. Aus Kinderperspektive könnte das sein, das Toast soll bitte ganz genau in der Mitte durchgeschnitten sein und zwar nur das eine, wehe du schneidest auch das zweite durch, dann gibt es einen Wutanfall.. Kommt dir das bekannt vor?

Erwachsen ist man, wenn man Gummistiefel an hat, obwohl es regnet.

Überlege dir mal eine wiederkehrende Situation, in denen ihr als Familie in Stress kommt, weil jeder unterschiedlich langsam oder unterschiedlich schnell ist. Schaue dir diese Situation mal vor deinem inneren Auge an, als wäre sie ein Kinofilm auf der Leinwand. So bekommst du schonmal Abstand dazu. Und dann gehe von dir aus: was ist dein Bedürfnis? Zum Beispiel Zuverlässigkeit. „Ich möchte gern pünktlich sein, weil mir Zuverlässigkeit wichtig ist.“ Das ist deine Position. Überlege nun mal für einen Moment, was das Bedürfnis deines Kindes oder deiner Kinder ist. Vielleicht wäre das: Neugierde. „Ich möchte ganz langsam gehen, weil ich die Welt entdecken will!“. Vielleicht ist es auch eine körperliches Gefühl: „Ich möchte das ganze Jahr über barfuss laufen, weil ich den Boden dann besser spüre und ziehe meine Schuhe nicht an!“

 

Wozu ich dich einladen möchte, ist die Perspektive deiner Kinder einzunehmen, gleichzeitig deine Perspektive zu betrachten und zu versuchen, den Druck aus der Situation zu nehmen. Und verstehe das bitte wirklich als eine Übung. Vielleicht ist das sogar eine Übung, die du solange übst, bis deine Kinder eines Tages ausziehen. Das ist kein Tipp im Sinne von, ach komm stell dich mal nicht so an, hab doch einfach mal etwas Geduld. Nein! Dein Bedürfnis ist wichtig! Vielleicht lässt sich gleichzeitig auch etwas mitnehmen aus diesen Situationen, das dich entspannen kann.

Denn nun wird es interessant: im Achtsamkeitstraining üben Menschen Entschleunigung und ihre Sinne besser zu spüren. Sowohl eine gewisse Langsamkeit als auch das bewusste Wahrnehmen der Sinne bringt uns ins Hier und Jetzt, in die Gegenwart und in den Moment. Als ich anfing, mich damit professionell auseinanderzusetzen, fiel mir auf, dass viele Themen, bei denen es in der Achtsamkeit geht, mit Erfahrungen aus Kindertagen zu tun haben. Im Familienalltag in so einer stressigen Situation sind wir damit jedoch überhaupt nicht verbunden. Wir sind angestrengt, der Körper ist angestrengt, die Atmung wird flach und das Grummeln im Bauch steigt auf.

Die Übung besteht in einem Perspektivwechsel. Erstmal etwas tiefer zu atmen, hilft sofort. Es entspannt den Körper, senkt die Stresshormone und lässt dich etwas ruhiger werden. Wie wäre es mit dieser Perspektive: Wie kann ich pünktlich sein und gleichzeitig mich etwas endschleunigen, und vielleicht das Zwitschern der Vögel oder den Wind im Gesicht wahrnehmen. Und das können wir von unseren Kindern lernen. Ich denke, sie sind die besten Achtsamkeitslehrer, die wir uns wünschen könnten. Die Idee ist also nicht zu sagen, na gut, dann läufst du halt im Winter barfuss, sondern zu schauen, wie kannst du den Druck rausnehmen und dich von deinen Kindern inspirieren lassen. Und ja doch! Ich übe auch.Täglich.

 

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