Warum du gerade an schlechten Tagen ein*e gute*r Coach*in bist

Liebevoll
& behutsam

11. Februar 2021

Warum du gerade an schlechten Tagen ein*e gute*r Coach*in bist

Den Druck rausnehmen

Kennst du dieses Gefühl mit dem falschen Bein aufgestanden zu sein? Es gibt diese Tage, an denen scheint wirklich gar nichts zu funktionieren. Und am aller wenigsten du selbst. Meistens haben wir ein Bild im Kopf, wie wir gern sein möchten. Das gilt auch für die Rolle als Coach*in oder Trainer*in. Denn tief in uns verbinden wir mit dem, was wir tun, ein bestimmtes Ideal von uns selbst. Als jemand, der Prozesse bei anderen Menschen begleitet, denken wir häufig, wir müssen uns selbst so richtig im Griff haben. Diese Idee von etwas im Griff haben, versucht der Körper direkt umzusetzen. Selten ist uns das bewusst. Die Hände oder einzelne Finger sind dann angespannt, die Ellbogen sind angespannt, die Schultern sind angespannt und der Kiefer hält fest. Irgendwie versuchen wir tief zu atmen, aber es scheint nicht zu gehen.

 

Dieses Idealbild von uns kann sich zu einem Stressor entwickeln. Stressoren führen zu weiteren Verspannungen. Sie können Sätze wiederspiegeln, die tief in uns verankert sind, die wir aber gar nicht bemerken. Selbst wenn du schon viel an deinen Glaubenssätzen gearbeitet hast, kann es ein, dass ganz tief in dir die zwei beliebtesten Stressoren schlummern, die fast jeder Mensch hat. „Sei perfekt!“ und „Sei beliebt!“. Was heißt das für deine Rolle als Coach*in oder als Trainer*in? Wie definierst du perfekt? Und willst du bei deinem Gegenüber beliebt sein, in der Hoffnung auf Folgeaufträge und verdrehst dich vielleicht manchmal durch diese Haltung? Dieses Ganze: „ich muss so und so sein, nur dann bin ich ein*e gute*r Coach*in“, kann unterschwellig sehr viel Energie rauben. Vielleicht bist du dann abends platt und fragst dich warum.

I did my best,
I'll leave the rest.

In meiner körpertherapeutischen Ausbildung lag über einen sehr langen Zeitraum der Fokus darauf, dass wir gut für uns selbst sorgen. Die Übung bestand darin, mit dem ständigen Bemühen, dem anderen etwas Gutes tun zu wollen, aufzuhören. Den Fokus von: „was möchte ein*e potenzielle*r Kund*in?“ hin zu lenken zu: „was kann und will ich gerade geben?“

 

Vermutlich hast auch du das in deiner Ausbildung gelernt. Und dennoch ist es im Alltag oft so, dass auch, wenn du sehr gut ausgebildet bist, dir deine eigenen Ansprüche an dich selbst ganz schön im Weg stehen können. Und das findet meist recht unbewusst statt. Und ebenfalls unbewusst ist der damit einhergehende Wunsch, sich selbst im Griff zu haben, beziehungsweise einen schlechten Tag weg haben zu wollen. Vielleicht denkst du, du müsstest stark sein, weil du nur dann ein Vorbild bist. Oder, dass du nur einen Raum halten, etwas weiter geben kannst, wenn du 100% so bist, was deinem Idealbild entspricht. Und so sehr ich der Meinung bin, dass es wichtig ist, den eigenen emotionalen Rucksack draußen vor der Tür stehen zu lassen und den Klienten oder die Klientin nicht damit zu behelligen was meine eigene Geschichte ist. So sehr glaube ich auch, dass es wichtig für die eigene Psychohygiene ist, mit sich selbst in einem guten Kontakt zu sein. Zu wissen, dass du ebenso gut bist, wenn du einen schlechten Tag hast, kann einen echten Energieschub auslösen.

 

Das heißt nicht, dass du transparent machen musst, wie es dir geht. Aber wenn du in einer Session selbst innerlich in einem liebevollen Dialog mit dir bist, anstatt dagegen anzukämpfen, dass du dich nicht fit fühlst, dann verlierst du keine Energie.

Was hast du für ein inneres Bild an Tagen, an denen es dir nicht so gut geht? Kämpfst du gegen dich selbst und versuchst kraftvoll und stark zu sein und wunderst dich, dass es nicht funktioniert? Oder kannst du dem Teil in dir, der sich gerade etwas schwach und klein fühlt, eine wärmende Decke um die Schulter legen und ihn an deine Seite setzen?

Vor der Coachingsession checkst du ja sicher, ob alles da ist, die Technik stimmt etc. Checkst du auch dich selbst? Und checkst du dich liebevoll selbst? Es gibt diese Falle, in der Atemübungen gemacht werden, um fitter zu sein oder besser zu performen. Was ich aber meine ist, ob du in gutem Kontakt zu dir selbst bist?

 

Um eine gute Verbindung zu dir selbst herzustellen, kann dein Körper dir helfen. Wie wäre es, dir selbst deine Hände zu massieren? Berühre ganz zart deine Handgelenke und lasse die Handgelenke in der jeweils anderen Hand etwas kreisen. Nimm dann den jeweils gegenüberliegenden Ellbogen in eine Hand und wiege ganz leicht die Ellbogen nach rechts und links. So als würdest du ein kleines Kind wiegen. So als wärest du dieses kleine Kind, das ganz liebevoll in den Arm genommen wird und mit der Stimme einer liebevollen Großmutter ein beruhigendes Summen hört. Während du diese Schaukelbewegung mit den Armen machst, merkst du vielleicht, dass die Schultern sich langsam etwas entspannen. Vielleicht kannst du nun die Schultern an sich ein bisschen fallen lassen. Vielleicht magst du auch noch ausprobieren, wie es ist, den Kiefer locker zu lassen. Nach einer Zeit lässt du die Ellbogen los und lässt die Arme rechts und links an deinem Körper baumeln. Spüre wie der Kontakt deiner Füsse zum Boden ist. Es kann sein, dass du nun merkst, wie die Atmung von ganz allein etwas tiefer wird. Nun bist du gut mit dir verbunden und kannst mühelos in deine Session gehen.

Ganz wichtig: die Übung dient nicht dazu, den schlechten Tag weghaben zu wollen. Die Übung dient lediglich dazu, nicht dagegen anzukämpfen.

Denn eines ist ganz sicher sehr anstrengend auch für dein Gegenüber. Wenn du die Person bist, die immer alles weiß, immer perfekt ist, immer unnahbar ist und so wirkt, als hätte sie alles im Griff.

 

Gehe davon aus, dass das, was du heute tust und, dass das, was du heute geben wirst, gut genug und vielleicht sogar für dein Gegenüber gerade richtig ist. Wer weiß was du so bei deinem Gegenüber bewirkst? Vielleicht öffnet sich ein Raum und es geht im Prozess einen Schritt weiter, ohne große Worte, ohne große Anstrengung. Du bist sicher ein*e sehr gute*r Coach*in oder Trainer*in und du hast sicher sehr gute Tools zur Verfügung. Vielleicht kommt nun noch eine Ebene mit hinein, die sich kognitiv nicht greifen lässt. Das kann sehr kraftvoll sein. Für dich, für den Prozess und für dein Gegenüber.

Es gibt diesen schönen Satz, den ich sehr liebevoll und sehr erleichternd finde: „I did my best and I’ll leave the rest“. Ist das nicht eine schöne Interpretation der Sätze: „Sei perfekt!“ und „Sei beliebt!“ für schlechte Tage?

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