Warum Schulterschmerzen mit Stress zusammenhängen und was du dagegen tun kannst

Schulterschmerz
&Stress

19.März 2021

Warum Schulterschmerzen mit Stress zusammen hängen

Und was du dagegen tun kannst

Verstehe unterschiedliche Ursachen für Schulterschmerzen und lerne am Ende des Textes eine Übung kennen, die bei Schulterschmerzen sehr effektiv ist.

Viele Verspannungen im Körper entstehen durch Fehlhaltungen und zu wenig körperlichen Ausgleich. Der Körper wird in seiner eigentlich sehr schön angelegten Flexibilität durch schlechtes Sitzen oder andere Haltungen, die zu lange andauern, eingeschränkt. Die Muskulatur verklebt sich und führt zu schmerzhaften Verhärtungen. Das lässt sich sicher am besten gerade in der Pandemie bei Computerarbeit am Küchentisch erspüren. Den ganzen Tag vornübergebeugt an einem nicht ausgerichteten Tisch ohne ergonomischen Schreibtischstuhl zu sitzen, schränkt den Körper stark ein. Die maximale Bewegung ist der Gang zur Kaffeemaschine oder zum WC. Es fehlen anständige Pausen oder Bewegungseinheiten, die dem Körper einen Ausgleich bieten. Zunächst melden sich Beschwerden nur ein wenig und später entwickeln sich gerne mal chronische Schulter- und Nackenverspannungen.

Schulter- und Nackenverspannungen entstehen jedoch auch durch mentalen Stress. Das ist in erster Linie übrigens eine sehr gute Nachricht. Denn unser Körper ist evolutionsbiologisch auf Stress so programmiert, dass er sofort in eine wache Alarmbereitschaft springt und sofort handlungsbereit ist, um Gefahren von außen zu begegnen. Früher – und ich meine so ungefähr zu Zeiten der berühmten Säbelzahntiger – ließ die Anspannung in dem Moment nach, in dem der Tiger wieder weg war. In unserer Zeit betrachtet die Stressforschung bereits seit geraumer Zeit, dass wir den Moment, in dem die Anspannung nicht mehr nötig wäre, nicht bemerken und in einem dauerhaften Zustand von Alarmbereitschaft sind. Ich schreibe das deshalb in „wir“-Form, weil ich es zum einen selbst gut kenne und, weil es zum anderen ein Massenphänomen ist. Dieser eigentlich tolle Effekt zu sehr großen Leistungen in der Lage zu sein, sich zu mobilisieren und über sich selbst hinaus zu wachsen, führt in einen Tunnel der Schulter- und Kopfschmerzen, weil die Phasen, in denen wir loslassen könnten, nicht wahrgenommen oder verpasst werden.

In der Muskulatur passiert dabei ein Hochfahren auf Aktivität. Die Spannung ist erhöht und die Durchblutung der Skelettmuskulatur wird verbessert. Es wird die Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff und Energie in Form von Fetten zur Verbrennung sichergestellt. Besonders die Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur wird angespannt. Instinktiv werden die Schultern hochgezogen, um den empfindlichen Halsbereich zu schützen. Die Bauchdecke ist angespannt, um die Organe zu schützen. Bezogen auf berufliche Kontexte ist es natürlich phänomenal, zu hohen Leistungen in der Lage zu sein, wenn zum Beispiel ein Projekt fertig gestellt werden soll oder eine Schlussredaktion ansteht.

Einne innige Umarmung an dich selbst, kann Wunder wirken.

Problematisch wird es nur, wenn dieser Zustand anhält und es keine Entspannungsphasen gibt, die auf die Höchstleistungen folgen. Dann bleibt der Körper in diesem energiegeladenen Zustand und ist nicht mehr in der Lage, herunter zu fahren. Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen chronifizieren sich und werden bald als normaler Dauerzustand erlebt. Kopfschmerzen und der sogenannte „frozen shoulder“ Effekt, in dem es nahezu zu Versteifungen der Schultermuskulatur kommt, sind keine Seltenheit.


Es kann daraus auch ein Kreislauf entstehen, den ich selbstverstärkenden Spannungskreislauf nenne. Mit angespannten Schultern und Schmerzen im Nacken ist es nicht möglich, kreativ, innovativ oder gelassen zu sein. Ideen können nicht fließen und die Gedanken drehen sich um die Anspannungen, aber nicht um die Erholungsphase oder die nächste Pause. Hast du schon mal gegrübelt, wie schön es in einem Strandkorb am Meer ist? Vermutlich nicht. Vielmehr grübeln wir ständig darüber, was die nächste Herausforderung ist. Während der Geist sich mit diesen stressigen Fragen beschäftigt, zieht sich die Schultermuskulatur schon mal schön weiter zusammen, weil sie ja nur dein Bestes will, nämlich, dass du dein Bestes gibst. Doch aus einem dauerhaft angespannten Zustand heraus, ist es gar nicht möglich, dein Bestes zu geben. Mit dein Bestes geben, ist übrigens in meinem Verständnis nicht gemeint, wie du am besten „performst“, sondern wie du in deiner Kraft sein kannst, um souverän und gelassen, dein Leben und die Inhalte, die du in die Welt bringen möchtest, so gestaltest, dass es dir gut geht und du ein angenehmes Wohlgefühl in deinem Körper hast.


Wenn du das liest und nun denkst: „Ja, okay, aber wie führt denn der Weg da heraus?“ Dann gebe ich dir gern 3 hilfreiche Schritte an die Hand, die du für dich ausprobieren kannst.


Der erste Schritt ist Wahrnehmung. Oft nehmen wir uns gar nicht die Zeit, für einen Moment innezuhalten und mal kurz aus dem Hamsterrad auszusteigen. Ich weiß, das Hamsterrad ist eine oft bemühte Metapher. Ich erwähne sie hier mit dem freundlichen Hinweis, dass sich das Rädchen nur dreht, wenn der Hamster hineingeht und läuft. Und es hört auf, sich zu drehen, wenn er aussteigt. Verstehst du, was ich meine?


Der zweite Moment ist, deinen Körper zu spüren und besonders die Schultern und den Nacken in den Fokus deines Innehalten zu nehmen. Diese Bereiche im Körper kannst du mal fragen: „Wie geht es euch eigentlich im Moment?“ Das kann schon mal sehr hilfreich sein.


Der dritte Schritt wäre, eine Bewegung zu machen, die dir gut tut. Das kann eine Bewegung sein, die dir selbst einfällt oder ich erkläre dir hier eine, die sehr effektiv und hilfreich ist. Nimm dir aber ruhig einen Moment, um zu schauen, ob dein Körper nicht selbst eine Idee hat.


Die Übung, die ich gerne mache, ist eine intensive Dehnung der Muskeln zwischen den Schulterblättern und die geht so:


Umarme dich selbst und entspanne so deine Schultermuskulatur. Du verschränkst deine Oberarme vor deinem Körper. Führe dazu den rechten Arme über den linken und lege deine rechte Hand auf dein linkes Schulterblatt und die linke Hand auf dein rechtes Schulterblatt. Führe beide Hände auf deinem Rücken so nah wir möglich zusammen. Senke dann behutsam deinen Kopf nach vorne und lasse das Kinn Richtung Brust sinken. Atme und entspanne dich hinein in diese Haltung. Du kannst anschließend die Übung noch einmal machen, in dem du dann die Arme anders verschränkst, also den linken Arm über den rechten Arme führst und wieder die Hände auf beide Schulterblätter legst, wie bei einer innigen Umarmung. Sich selbst zu umarmen und dich dabei anzuerkennen, wie oft du dein Bestes gibst, ist übrigens eine der besten Mittel gegen Stress. Löse die Haltung dann auf, nimm noch einige Atemzüge und spüre nach, wie es dir und deinem Schulter- und Nackenbereich nun geht.


Pass auf dich auf und sei behutsam zu dir.

Hol dir einen Tipp zum Innehalten im Alltag und bei dir ankommen.

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